Geburtsbericht - Selbstbestimmte Geburt im Geburtshaus


Der letzte Tag im Jahr 2019!

Unsere Tochter lies uns etwas warten und so waren wir an diesem Tag bei 40+3 angekommen. Auch wenn die letzen Tage körperlich sehr anstrengend waren, nahm ich sie einfach wie sie kamen, denn ich musste mich nicht mehr schonen und das war ein befreiendes Gefühl. All die Sorgen der vorzeitigen Wehen und Gedanken um die Frühgeburt waren vergessen. Wir haben es so weit zusammen geschafft. 

Da wir für Silvester nichts geplant hatten, kam die Oma tagsüber zum Babysitten zu uns, so das wir einfach mal den Tag zu Zweit verbringen konnten.

 

Wir bummelten also durch Ikea, schlemmten einen Hot Dog, besprachen mit unserem Küchenplaner noch kleine Details zu der neuen Küche, kauften ein paar Kleinigkeiten ein und Nachmittags ging es noch ins Geburtshaus zu Kontrolle. 

Ich hatte den ganzen Tag über Wehen, musste oft stehen bleiben und verarmen. Auch bei jedem Toilettengang ging ein weiterer Teil vom Schleimpropf ab.

 

Ich fühlte, dass es nicht mehr lange dauern wird.

Ich fühlte, unsere Tochter ist nun bereit. 

Meinen Bauch streichelte ich immer wieder. Ging Inne, denn all das hier, erlebe ich nun zum letzten Mal. Ich wollte es nicht hinter mich bringen. Ich wollte es bewusst erleben. Ich sprach ihr und mir Mut zu. Fragte mich, wie sie wohl aussieht?! Wird sie Haare haben? Wie sie sich jetzt wohl fühlt? Ich freute mich so sehr auf sie und wusste, jede Kontraktion bringt uns einander näher. Nicht mehr lange und ich kann sie in meine Arme schließen, sie küssen und an ihr riechen.

Angekommen im Geburtshaus, besprachen wir mein Wohlbefinden und tranken parallel einen Tee. Mir ging es gut. Wir packten uns noch einen Medizinball in den Kofferraum für daheim ein, damit ich Abends darauf etwas das Becken kreisen lassen konnte.

 

Mein Körper machte alles super mit.

Yaras Herztöne waren nach jeder Wehe optimal und so umarmte ich meine Hebamme fest und lächelnd mit den Worten: „wir sehen uns heute Nacht“, denn ich fühlte, an diesen Worten ist mehr dran, als man mir in diesem Augenblick angesehen hatte.

 

Nach dem Geburtshaus Termin am Nachmittag ging es für uns nach Hause.

Innerlich spürte ich das Bedürfnis nach einer gewohnten Umgebung, wo ich zur Ruhe kommen kann. 

 

Ich stellte mich unter die Dusche und merkte dabei, wie die Wehen intensiver wurden, doch einen Rhythmus hatten sie nicht.

Mal alle 4 Minuten, dann wieder 20 Minuten Pause. Dass blieb bis 20 Uhr so. •

Wir machten es uns auf dem Sofa gemütlich, suchten einen Film aus und stellten uns Leckereien in Griffweite. 

Meine Wehen wurden immer stärker. Ich konnte in der Wehe meine Augen nicht mehr offen halten.

 

Um 21 Uhr entscheid ich mich ins Bett zu gehen. Ich wurde so unendlich müde, trotz der intensiven Wehen, die immer stärker wurden. 

Ich schlief in der Tat auch sofort ein. Jede Wehe riss mich aus dem Schlaf doch mir war nicht nach aufstehen, also bleib ich liegen und veratmete. •

Draußen knallten die Silvesterraketen bereits, obwohl es noch nicht Mitternacht war.

 

Eingekuschelt an unseren Kleinsten schlief ich erneut ein und wurde um 00:00 Uhr von meinem Mann streichelnd geweckt. 

Ich setzte mich auf, guckte ihn an und sagte „warte, ich muss ins Bad“ !!! •

Er ging mir hinterher und wollte mir was sagen, doch ich merkte und hörte nur ein Knacken in meinem Bauch und sagte „Schatz, meine Fruchtblase ist gerade geplatzt“ 

 

00:01 Uhr - ich wiederholte „meine Fruchtblase ist geplatzt“ und dabei kamen mit vor Freude die Tränen!!

 

.... mein Mann schaue mich an und sagte: „Wirklich jetzt?“

„Und nun?“

 

„Ruf du deine Mama an und ich rufe die Hebamme an“! Da ich von der Kontrolle am Nachmittag direkt wusste, wer Bereitschaft hat, musste ich gar nicht auf die Telefonliste schauen. 

Es klingelte und ich hoffte innerlich, dass meine Hebamme, ihr Handy trotz Raketenlärm hören würde. 

„Ja, hallo!“ - frohes Neues meine Liebe und ich hatte ja gesagt wir sehen uns heute Abend, meine Fruchtblase ist soeben geplatzt“ 

Sie stelle mir ein paar Fragen!

Izela, wie geht es dir gerade? Mit ging es wunderbar! Ich freute mich, es geht endlich los! 

Izela, war das Fruchtwasser klar?

Hast du schon regelmäßige Wehen?

Ist eine Blutung vorhanden? 

Ich beantwortete alle Fragen und wir verblieben so, dass sobald die Wehen regelmäßig einsetzen, ich mich sofort melde.

 

Mein zweiter Anruf folgte direkt 20 Minuten später, denn meine Wehen kamen direkt alle 3 Minuten. 

Die Oma, unsere Babysitterin, war endlich da und wir setzten uns direkt ins Auto. Um uns herum leuchtete der Himmel im Feuerwerk und meine Wehen wurden immer stärker. So stark, damit wusste ich die Geburt wird nicht lange dauern. 

Angekommen im Geburtshaus, wartete unsere Hebamme bereits auf uns. Das Licht war gedämpft, überall waren Kerzen an. Der Tee lief schon in die Kanne und wir machten es uns bequem. Meine ersten Worte zu ihr „zum Frühstück möchte ich wieder zu Hause sein!“ 

Ich bleib die ganze Zeit stehen und veratmete die Wehen, stützend und in den Armen meines Mannes. 

Dann entschied ich mich nach der nächsten Wehe zu einer Untersuchung um zu sehen, bei wieviel cm der Muttermund steht um dann in die Badewanne zu steigen. 

Mein Muttermund war nach so kurzer Zeit schon bei 5-6 cm. Es war erst 2:00 Uhr.

Die Wanne wurde eingelassen. Ich stieg ein, konnte mich aber nicht entspannt anlehnen.

Ich merkte wie stark die Wehen im Wasser wurden und ich sie nicht veratmen konnte, denn ich war in der Bewegung eingeschränkt. Sitzend im Wasser wartete ich zwei Wehen ab und sagte „ich möchte bitte raus“!....

 

.... mein Mann und meine Hebamme halfen mir aus der Wanne.

Ich blickte kurz auf die Uhr - es war 3:02 Uhr. Ich wollte ins Bett, ich wollte mich hinlegen. Mein Mann legte sich neben mich und massierte und streichelte mir über meinen Rücken. Einen Moment lang gab es eine kleine Pause. Da wurde mir bewusst, nicht mehr lange, dann liegst du kleines Püppchen in unseren Armen.

 

Die nächste Wehe kam auf einmal total schnell und ich drehte mich sofort von der Seite etwas auf den Rücken und schaute meine Hebamme an - sie kommt jetzt

 

„Izela, ja sie kommt“ 

Mein Mann lag die ganze Zeit rechts neben mir und sagte „ schau mich an .... atme „ „du machst das super“ 

Schatz, hat sie Haare? Ja, ganz viele, ganz viele! 

 

Meine Hebamme musste mich kurz bremsen, denn ich spürte in diesem Moment solch Kräfte, die unbeschreiblich sind. Nur wenige Minuten trennten uns von unserer Tochter

 

„Izela, nicht pressen, gib ihr kurz Zeit, sie muss ihre Schulter drehen!“ 

3:26 Uhr 

Und dann überkam uns die Babyblase ... der erste laute und sehr kräftige Schrei.

Willkommen kleines Mädchen

 

Meine Tränen liefen, dabei vergaß ich alles um mich herum. Ich legte sie mir direkt auf Bauch und Brust. Küsste sie, streichelte sie und sagte ihr wie willkommen sie ist

 

Zum vierten Mal habe ich diesen Moment erleben dürfen.

Jede Geburt war anders

 

Yaras in ihrer Selbstbestimmung ganz besonders und für mich der schönste Abschluss mit unserem letzten Familienmitglied.

 

Izela 

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